Israel-Fahnen Verbot beim Schweigemarsch in Meschede

Am 9. November fand in Meschede der alljährliche Schweigemarsch anlässlich der Reichspogromnacht von 1938 statt, bei welchem wir wieder teilnehmen wollten.
Wie in den Jahren zuvor führte man auch Israel-Fahnen mit sich, welches jedoch ein Problem darstellen sollte. Beim Verlesen der Versammlungsauflagen wurde ausdrücklich dazu aufgefordert, die Nationalfahnen einzupacken.
Es wurde also untersagt, an einem Schweigemarsch, der als Zeichen gegen Antisemitismus und Rassismus zu verstehen sein soll, Fahnen des Staates, der als Reaktion auf den Holocaust entstand, um einen Schutzraum vor Antisemitismus zu schaffen, zu zeigen.
Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, an dem Schweigemarsch selbst nicht weiter mitzugehen und zeigten am Rande der Route des Schweigemarsches demonstrativ Israel-Fahnen.
Die Verwunderung unsererseits über dieses Fahnen-Verbot ist allerdings nicht allzu groß, da es sich hierbei nicht um das erste Vorkommnis gegen Israelsolidarische Antifaschisten in Meschede handelt.
So wurden beispielsweise im vergangenen Jahr Personen, die während des Schweigemarsches zwei kleine Israel-Fahnen mit sich trugen, mehrfach von einem Mitglied der „Falken HSK“ dazu aufgefordert, ihre Fahnen einzupacken (Zitat: „Packt die scheiß Fahnen ein!“).
Merkwürdig jedoch ist es, dass es, außer durch Mitglieder eben dieser Gruppierung, zu keinerlei negativer Kritik an dem Tragen von Israel-Fahnen gekommen ist; weder in diesem Jahr, noch in den Jahren davor. Die Israel-Fahnen wurden sogar, in jedem Jahr, von anderen Teilnehmern begrüßt.
Dies lässt uns zu der Vermutung kommen, dass „Die Falken HSK“ während des Schweigemarsches nicht weiter von Israel Fahnen „belästigt“ werden wollten. Ob dieses Verbot auf der antiimperialistischen Ideologie der „Falken HSK“ basiert, oder explizit auf die Sichtweise ihres Vorsitzenden zurückzuführen ist, sei dahingestellt.
Wir verurteilen dieses Verbot und werden uns nicht weiter an den Schweigemärschen in Meschede beteiligen.

Gegen Antisemitismus und Antizionismus – auch von links!

Dem Naziaufmarsch am 04.09.2010 in Dortmund entgegentreten!

Ein verdrehter Antikriegstag

Für den 4. September 2010 mobilisieren die Dortmunder Neonazis erneut europaweit zum so genannten „Nationalen Antikriegstag”. Die seit 2005 jährlich stattfindende Demonstration ist für die extreme Rechte ein günstiger Anlass, um unter dem Deckmantel des „Pazifismus“ ihren Rassismus, Antisemitismus und Antiamerikanismus zu propagieren. Vom Geschichtsrevisionismus gar nicht zu sprechen: Die Neonazis leugnen bis heute konsequent die historische Tatsache, dass mit dem Angriffskrieg der deutschen Nationalsozialist_innen gegen Polen der Zweite Weltkrieg begann.
Der Gedenktag am 1. September erinnert eigentlich an den Überfall Deutschlands auf Polen. Mit diesem Angriff wurde der 1. September 1939 zum Beginn des deutschen Vernichtungskrieges. Der „Antikriegstag“ ging dann aus einer Gewerkschaftsinitiative 1957 hervor, die gerade mit Blick auf die Wiederbewaffnung Deutschlands unter dem Motto „Nie wieder Krieg und nie wieder Faschismus!“ zu Aktionen aufrief.

Das „Event“ der „Autonomen Nationalisten“

Einige Zeit lang schien es, als würde sich dieser Neonazi-Aufmarsch unter Federführung der Dortmunder „Autonomen Nationalisten” zu einem wichtigen Tag im Kalender der aktionsorientierten extremen Rechten entwickeln, da bei dem Aufbau dieses Ereignisses besonders auf den „Event-Charakter” Wert gelegt wurde. Während zum ersten Aufmarsch 2005 circa 200 Neonazis erschienen, wuchs die Zahl bis 2008 auf 1100 an. Das Gewaltpotential bei Aufmärschen der Dortmunder Neonazis hat in dieser Zeit massiv zugenommen; 2009 etwa überfielen circa 400 Neonazis aus einer Spontandemonstration heraus die 1. Mai- Demonstration des DGB.

Diese Erfolgsgeschichte erfuhr im letzten Jahr einen empfindlichen Einschnitt. Denn 2009 ist es gelungen, den Mythos des „Nationalen Antikriegstags“, den die Dortmunder Neonazis in jahrelanger europaweiter Mobilisierungsarbeit versucht hatten aufzubauen, erfolgreich zu beschädigen. In der Stadt kam Einiges in Bewegung, und letztlich gestaltete es sich für die Polizei durch die zahlreichen Gegenaktivitäten zu schwierig, den Schutz für die Nazidemonstration zu gewährleisten. Der „Nationale Antikriegstag“ blieb somit weit hinter den Erwartungen der Nazis zurück, die mit ansehen mussten, wie ihre „Erfolgsstory” in einer Kundgebung buchstäblich stehen blieb. Doch das letztjährige Debakel hindert die Dortmunder Autonomen Nationalist_innen nicht daran, weiterhin an der Etablierung eines „Nationalen Antikriegstages” festzuhalten. Für dieses Jahr haben die Dortmunder Neonazis an drei Tagen rund um das erste Septemberwochenende (3.,4.,5. September) Aktionen und Veranstaltungen angemeldet und die europaweite Mobilisierung ist in vollem Gange.

Dortmund – ein “Labor”?

Weiterhin gibt es in Dortmund eine aktive und gefährliche Naziszene.
Dortmund ist mittlerweile eine Hochburg der sogenannten „Autonomen Nationalisten” in Deutschland geworden. Durch den permanenten Zuzug von Neonazi-Kadern aus anderen Regionen ist hier so etwas wie ein „Labor” für diejenigen Neonazis entstanden, die versuchen einen neuen aktivistischen und militanten Stil in der Neonaziszene zu etablieren. Die sogenannten „Autonomen Nationalisten” haben sich Kleidungsstil und Aktionsformen der linksradikalen Autonomen angeeignet und dabei völkisch und nationalsozialistisch umgewandelt.

In den vergangenen Monaten ließ die Dortmunder Naziszene ihren Frust über das eigene Versagen in 2009 vor allem an den Nazigegner_innen, derer sie habhaft werden konnten, aus. Besonders hart traf es eine Familie im Stadtteil Dorstfeld, die von dort ansässigen Nazis derartig terrorisiert wurde, dass sie sich schließlich gezwungen sah, aus dem Stadtteil fortzuziehen.

Der Neonazismus und die Stadt

Für einen handfesten Skandal sorgte der ehemalige Chef der Feuerwehr Dortmund, heutiger Leiter eines stadteigenen Institutes für Feuerwehrtechnik und langjähriges Mitglied der SPD: Klaus Schäfer. Nachdem er Ende April als Teilnehmer einer Neonazikundgebung in Erscheinung trat, konnten Antifaschist_innen in Erfahrung bringen, dass Schäfer bereits seit einiger Zeit aktives Mitglied der Dortmunder Naziszene ist und beispielsweise auch an der Kundgebung am 5. September 2009 teilnahm. Auch wenn Schäfer umgehend suspendiert wurde, zeigt sich hier deutlich, dass Neonazismus in Dortmund längst nicht nur ein Jugendphänomen ist.

In der Dortmunder Öffentlichkeit hat sich seit letztem Jahr Einiges bewegt. Den Naziaufmarsch haben viele Akteur_innen gegen Rechts als Aktionsfeld genutzt. Am 5. September fand eine Vielzahl von Veranstaltungen statt, die dazu beitrugen, dass der Handlungsspielraum der Nazis stark eingeschränkt wurde. Zu einem aktiven Vorgehen gegen den Aufmarsch der Nazis konnten sich viele dieser Akteur_innen jedoch nicht durchringen; es wurde auch dann noch an Veranstaltungen festgehalten als längst klar war, dass die Nazis sich weitab von diesen im Hafen treffen würden.
Weiterhin problematisch ist zweifellos die Herangehensweise der offiziellen Stellen. Während Stadt und Polizei mit jahrelanger Verspätung aufgefallen ist, dass Dortmund ein Naziproblem hat, gefallen sich die verantwortlichen Amtsträger_innen in ihrer neuen Rolle als „Kämpfer_innen gegen Rechts”. So glaubt der Sonderbeauftragte der Stadt für „Vielfalt, Toleranz und Demokratie“, Hartmut Anders-Hoepgen inbrünstig: “Dortmund ist eher eine Hochburg des Widerstands gegen Rechts.” Substantielles Engagement gegen Neonazis ist von diesen Leuten jedoch nach wie vor nicht zu erwarten. Eine Menge Geld hat die Stadt Dortmund zuletzt in die Erstellung einer Studie über die Dortmunder Naziszene gesteckt. Das Resultat war mehr als dürftig: Über die Verfasstheit der Neonaziszene liefert die Studie keine Erkenntnisse; die Arbeit von Antifa-Gruppen wird völlig ausgeblendet.

Auf zu neuen Taten!

Gerade die Arbeit linker Antifa-Gruppen hat dazu beigetragen, dass die Dortmunder Naziszene deutlich weniger frei agiert als noch vor zwei Jahren.
Mit regelmäßigen Aktionen wie dem Gedenken an Thomas Schulz und den Protesten am Antikriegstag ist es gelungen, das Naziproblem zum Thema zu machen. Doch auch abseits solcher Events findet eine kontinuierliche Arbeit statt. Zuletzt gründeten Dortmunder Antifa-Gruppen das “Dortmunder Antifa Bündnis”, um diese Zusammenarbeit weiter zu vertiefen.

Für den September gilt es nicht nur an all dies anzuknüpfen, sondern auch mit gemeinsamer Anstrengung einen weiteren Schritt dahin zu gehen, dass ein Nazi-Event wie der “Nationale Antikriegstag” in Dortmund keine Zukunft hat. Das S4-Bündnis ruft dazu auf, am ersten Septemberwochenende nach Dortmund zu kommen und gegen den Naziaufmarsch auf die Straße zu gehen!

*Auf zu neuen Taten! – Dem Naziaufmarsch am 4. September in Dortmund entgegentreten.

über den so genannten „Sauerlandsturm“

Seit wenigen Monaten tauchen im Sauerland vermehrt Aufkleber des so genannten „Sauerlandsturms“ auf.
Bekannt ist uns dies aus den Städten Winterberg, Brilon, Olsberg und Arnsberg; es ist jedoch davon auszugehen, dass die Aufkleber auch in weiteren Städten im Sauerland verklebt werden.
Die Motive umfassen neben Rassismus und geschichtsrevisionistischer Täter-Opfer-Verdrehung auch die der Anti-Antifa, wie man es von „Autonomen“ Nationalisten kennt.
Eine Internetpräsenz besitzt der „Sauerlandsturm“ nicht.
Ob es beim Aufkleber-Verkleben bleibt, oder ob auch andere Aktionsformen ergriffen werden, bleibt abzuwarten.


Ein Aufkleber des „Sauerlandsturms“.

neue Gruppe im Sauerland aktiv.

Wir, die Gruppe ISAS, sind ein Zusammenschluss israelsolidarischer Antifaschist_innen im Sauerland.
Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, auf faschistische, antisemitische und rassistische Aktivitäten aufmerksam zu machen und diese zu bekämpfen.
Gerade in einem Hinterland, wie dem Sauerland, sehen wir darin eine dringende Notwendigkeit, da sich hier viele Jugendliche offen zu rechtem Gedankengut bekennen oder mit diesem sympathisieren.